Tabelle 9 OL: Verfügbarkeit von Impfungen gegen das Hepatitis-B-Virus (HBV) für injizierende Drogenkonsumenten (IDK) in einigen europäischen Ländern

Verfügbarkeit, Kosten, Reichweite

Belgien

Verfügbar, aber teuer (€ 130). Kosten werden von der Versicherung nicht übernommen. Impfprogramme teilweise durch örtliche Initiativen finanziert. Unterschiedliche regionale Reichweite. IDK gelten nicht als vorrangige Gruppe. Ein Programm zur Hepatitis-B-Immunisierung von Haftinsassen wurde gestartet. Das Präventionsprojekt „boule-de-neige“ [Schneeball] von Betroffenen für Betroffene erreicht jährlich 1 500 Drogenkonsumenten.

Dänemark

Kostenlose Impfung von einer Expertengruppe im Jahr 2002 empfohlen. Ein kommunales Programm (Frederiksburg) bietet proaktiv Tests und Impfungen an; Kopenhagen bietet Drogenkonsumenten seit Anfang 2002 kostenlose Impfungen an.

Deutschland (2001)

Verfügbar und von Krankenversicherung übernommen. Erfassungsbereich unbekannt. Besondere lokale Initiative: mobile Test- /Impfeinheit in Berlin.

Griechenland

Kostenlos, „alle Städte“, die meisten Regionen, in denen therapeutische Programme umgesetzt werden“, Grad der Flächendeckung unbekannt. Niedrigschwelliges Drogenhilfezentrum und das Streetwork-Programm MdM Athen umfassen einen Hepatitis-B-Test.

Spanien (2001)

Das Impfprogramm ist eine Zielsetzung der Nationalen Drogenstrategie. Kostenlose Impfung wird in allen (>2 000) Centros de Atención a los Drogodependientes (spezialisierte Drogenzentren) in allen autonomen Gemeinschaften/Städten angeboten.

Frankreich

Verfügbar und kostenlos. Tätigkeitsberichten spezialisierter Drogenhilfszentren zufolge sind 20 % der Patienten geimpft (auf Selbstaussagen beruhende Daten).

Irland

Von Drogenbehandlungsdiensten, Krankenhäusern und praktischen Ärzten kostenlos angeboten. Studien: 19 % der Klienten von NRO-Drogendiensten voll geimpft; 23 % der Häftlinge (nach eigenen Angaben); Die Mitarbeiter der Dienste und IDK benötigen Weiterbildung zu Hepatitis B, die routinemäßig in den Drogendiensten angeboten werden sollte.

Italien (nur NB)

Seit 1990 obligatorische Impfung ab dem 13. Lebensjahr.

Luxemburg

Leicht zugänglich und von der Krankenversicherung erstattet. Kostenlos für Personen unter 18 Jahren und für Häftlinge. Aktionsforschungsprojekt (2001-2003) zur Einschätzung der Prävalenz bei gegenwärtig injizierenden Drogenkonsumenten und zum Aufbau der erforderlichen Infrastruktur des Gesundheitswesens.

Niederlande (2001)

Die Impfung ist kostenlos (für sozialversicherte niederländische Staatsangehörige). Die Pilotstudie über die Reichweite von kostenlosen Impfprogrammen für Hochrisikogruppen zeigte Erfolg, insbesondere in Verbindung mit persönlicher Beratung für Gruppen mit geringer Schulbildung. Die Regierung finanziert die landesweite Durchführung von Impfungen für Hochrisikogruppen (November 2002-Juni 2006) einschließlich der Evaluierung.

Österreich

Von Drogenhilfsdiensten in den meisten, jedoch nicht in allen Bundesländern, in 10 Untersuchungs- und Impfstellen angeboten. Ein proaktives Programm im Bundesland Vorarlberg in den Jahren 1999/2000 führte zu einem erheblichen Anstieg der Impfraten. Der Oberste Sanitätsrat empfahl 2001 kostenlose Impfungen gegen Hepatitis A und B für alle IDK, die mit den Drogenhilfsstellen in Kontakt sind.

Portugal

In öffentlichen Gesundheitszentren, Krankenhäusern und einigen Drogenhilfeeinrichtungen (CAT) angeboten. Kostenfrei für Hochrisikopersonen entsprechend der Definition des Gesundheitsministeriums vom Dezember 1990; IDK werden nicht gesondert aufgeführt, sind jedoch häufig inbegriffen. Einige CAT berichten von einem Deckungsgrad von 95 %. Probleme: das Erreichen derer, die nicht mit Drogenbehandlungsdiensten in Kontakt stehen; Sensibilisierung der praktischen Ärzte. Vorschläge: Einbeziehung in das nationale Impfprogramm, Ausbau des Meldesystems und des nationalen Spritzenaustauschprogramms.

Finnland

Die Hepatitis-B-Impfung gehört zum kostenlosen allgemeinen Impfprogramm und wird von den öffentlichen Gesundheitsdiensten angeboten; sie wird IDK und in demselben Haushalt lebenden Personen aktiv angeboten. Niedrigschwellige Spezialprogramme (Beratungszentren zum Thema Infektionsrisiko) bieten ungehinderten Zugang zu Tests/Impfungen. Die mangelnde Kooperationsbereitschaft stellt ein Hindernis für den Abschluss des gesamten Impfprogramms dar. Bei den sich in Behandlung befindlichen Drogenkonsumenten wurden Impfraten zwischen 24 und 26 % ermittelt (TDI-Daten 2001); in Spritzenaustauschprogrammen wurde eine Rate von 45 % voll geimpfter Patienten erreicht (2000-2002). Die Notwendigkeit, sich bei Basisgesundheitsdiensten anmelden zu müssen, könnte Konsumenten von einer Impfung abhalten.

Schweden (2000)

Weithin verfügbar und kostenlos. Erfassungsbereich unbekannt. Drogenkonsumenten werden während der Behandlung und bei Haftantritt geimpft.

Vereinigtes Königreich

Drogenkonsumenten sind eine Zielgruppe der neuen selektiven Hepatitis-B-Impfpolitik im Vereinigten Königreich (Kampagne zur Schadensminimierung). Die Impfung ist kostenlos und erfolgt bei speziellen Drogenhilfsdiensten, in Kliniken für sexuell übertragbare Krankheiten und bei praktischen Ärzten; sie wird auch Haftinsassen angeboten. Die Impfrate der sich in Behandlung befindlichen IDK stieg von 25 % im Jahr 1998 auf 35 % im Jahr 2000 (Selbstauskünfte). Das Problem liegt im vollständigen Abschluss der Impfreihe; ein flexiblerer Ansatz für die Impfungen wird empfohlen.

Norwegen

Verfügbar und kostenlos. Erfassungsbereich unbekannt. Spezialisierte niedrigschwellige Gesundheitszentren für Drogenkonsumenten (Pflegestationen vor Ort) führen in Oslo Impfkampagnen durch.

Quellen: ST 10 und Kapitel 10 des NR 2002 (wenn nicht anders angegeben). Dänemark und Italien: einzige Quelle NR 2002.