Soziale Ausgrenzung und Reintegration

Definitionen und Begriffe

Abbildung 22

Das Verhältnis zwischen sozialer Ausgrenzung und Drogenkonsum

Abbildung 22

Laut der jüngsten Umfrage über „soziale Prekarität und soziale Integration“ (99) sind 9 bis 22 % der europäischen Bevölkerung von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht (Europäischer Rat, 2001). Menschen gelten als sozial ausgegrenzt, wenn sie nicht voll am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihre staatsbürgerlichen Rechte nicht umfassend wahrnehmen können und/oder wenn ihr Zugang zu Einkommen und anderen Ressourcen (persönlicher, familiärer und kultureller Art) so unzulänglich ist, dass er sie von einem Lebensstandard ausschließt, der in der Gesellschaft, in der sie leben, als akzeptabel gilt (Gallie und Paugam, 2002).

Soziale Ausgrenzung kann somit als eine Kombination aus mangelnden wirtschaftlichen Ressourcen, sozialer Isolation und eingeschränkten sozialen und staatsbürgerlichen Rechten definiert werden; sie ist in jeder Gesellschaft ein relativer Begriff (CEIES, 1999), der eine progressive Ansammlung sozialer und wirtschaftlicher Faktoren über einen längeren Zeitraum umfasst. Faktoren, die zur sozialen Ausgrenzung beitragen können, sind Probleme im Zusammenhang mit Beruf, Bildungs- und Lebensstandard, Gesundheit, Nationalität, Drogenmissbrauch, geschlechtsspezifischen Unterschieden und Gewalt (Europäischer Rat, 2001; Nationale Berichte, 2002).

Drogenkonsum kann entweder als Folge oder als Ursache der sozialen Ausgrenzung angesehen werden (Carpentier, 2002): Drogenkonsum kann zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen führen, andererseits können aber auch soziale Marginalisierungsprozesse Drogenkonsum auslösen. Dennoch besteht zwischen Drogenmissbrauch und sozialer Ausgrenzung nicht unbedingt ein kausaler Zusammenhang, denn „nicht alle SuchtmittelkonsumentInnen sind sozial desintegriert“ (Tomas, 2001).

Berücksichtigt man die Komplexität dieses Sachverhalts, ist es möglich, sowohl den Drogenkonsum unter sozial ausgegrenzten Populationen zu analysieren als auch die soziale Ausgrenzung von Drogenabhängigen zu untersuchen (Abbildung 22).


(99Eurobarometer-Umfrage 56.1.